Betreuungskonzept

Zwei Systeme unter einem Dach
Mit dem Betreuungskonzept versuchen wir als Verantwortliche auf dem Dietisberg eine möglichst optimale Betreuung anzustreben. Wir sind überzeugt, dass dies uns ermöglicht, äusserst individuell auf verschiedenste Arten von Behinderungen einzugehen.

Mit diesem Führungsinstrument können auch klare Leitplanken gesetzt werden, die je nach Fähigkeit auf die einzelnen Klienten zugeschnitten sind. Der in den einzelnen Phasen enthaltene Stufenplan ist nicht starr; sowohl Klienten als auch das Personal können sich darin wohl fühlen und sind nicht zu sehr eingeengt.

Der Wechsel sowohl im 3-Phasen-System als auch beim Stufenplan muss leicht erfolgen können.

3 – Phasensystem
Klienten, die freiwillig oder auf Grund eines behördlichen Entscheides in die Institution Dietisberg eintreten, sollen in einer familienähnlichen Atmosphäre durch regelmässige Arbeit zu einem stabilisierenden Lebensrhythmus finden. Jeder hat sich seinen Leistungsfähigkeiten entsprechend einzusetzen Wer gänzlich arbeitsunfähig ist, kann bei uns nicht aufgenommen werden.

Die Hauptphasen sehen wie folgt aus:

- Phase 1: Belastbarkeit trainieren
- Phase 2: Aufbautraining
- Phase 3: Loslösen mittels wirtschaftsnaher Integration und Support am Arbeitsplatz

3 Pasensystem def

Angewöhnung an Tagesablauf
Jeder Neueintretende beginnt in der ersten Phase. Zunächst wird er intern in verschiedenen Funktionen eingesetzt (Angewöhnungs-Coaching). Damit wird abgeklärt, was er noch zu leisten im Stande ist und ob er sich an einen regelmässigen Tagesablauf gewöhnen kann. Ausserdem muss er vieles von neuem lernen: sich in einer Gemeinschaft einzupassen, den Tag wieder als Tag und die Nacht als Nacht zu akzeptieren – und nicht umgekehrt.
Wecker
Ein weiterer wichtiger Punkt: Meistens hat der Neuankömmling über Jahre nicht mehr regel-mässig und gesund gegessen. Drei richtige Mahlzeiten einzunehmen ist für viele Suchtkranke (u.a. Alkoholiker) äusserst ungewohnt. Oft ernährten sie sich über lange Zeit nur mit alkoholischen Getränken.

Mit der Körperpflege wird ausserdem auf ein Grundelement menschlicher Würde gepocht. Die Wäsche regelmässig zu wechseln, die Zähne zu putzen, überhaupt allgemein zum eigenen Körper Sorge zu tragen – das haben die Männer in ihrem meist bewegten Leben nämlich grob vernachlässigt. Dies alles lernen sie wieder in der ersten Phase auf dem Dietisberg.

In Tätigkeit einsteigen
Die Klienten werden intern in einem der verschiedenen Betriebszweige eingesetzt. Je nach Fähigkeit und Neigung ist dies in der Druckerei, der Schreinerei, der mechanischen Werkstätte, der Lebensmittelverarbeitung, der Landwirtschaft oder in den externen Team-Arbeiten. In den einzelnen Bereichen organisieren sie sich weitgehend selbstständig.

arbeitDer einzelne Klient muss vor allem lernen, wieder acht Stunden einer Beschäftigung nachzugehen. Kontinuität ist gefragt; er soll begreifen, dass es befriedigender ist durchzuhalten und am Ende ein fertiges Produkt in den Händen zu halten, als die Flinte gleich ins Korn zu werfen.

In der Freizeit darf sein Ziel nicht immer sein: «Wie komme ich am schnellsten zu einer Flasche Bier?», sondern er muss sich aneignen, wieder sein eigenes Können zu entdecken. In den meisten Fällen hat der Mann vergessen, dass er über eine kreative Ader verfügt wie z.B. basteln oder malen. Auch scheinbar simple Tätigkeiten wie ein Buch zu lesen, ein Spiel zu spielen oder sich einen Film anzuschauen gehören in diesen Bereich. Er soll wieder lernen einfache Dinge wie eine schöne Blume am Wegrand zu «sehen».

Trainieren
In dieser Stufe geht es darum, dass der Bewohner selbständiger agieren kann. Er wird, je nach Fähigkeit, für externe Arbeiten mit einem Betreuer eingesetzt (lernt auf die Arbeit zu fahren) oder wird im Betreuungszentrum in Sissach für Tätigkeiten eingesetzt.

Lösen in die Selbständigkeit
In der letzten Phase geht es darum, dass der Bewohner sich von der Institution wieder loslöst; er gibt sozusagen die Krücken als Hilfsmittel wieder ab. Dem Mann wird das Bewusstsein für die Realität des gewöhnlichen Lebens geschärft.
Fenster
Er muss auch wieder verstehen, mit dem vorhandenen Geld ökonomisch umzugehen. Das alles kann er in verlängerten Urlauben oder in den Ferien üben und erlernen. Der Klient muss sich auch selbstständig um eine neue Arbeitsstelle bewerben. Dasselbe gilt für eine neue Wohnmöglichkeit.

Selbstverständlich steht ihm die Institution dabei mit Rat und Tat zur Seite. Die nötigen Abklärungen und Massnahmen trifft er jedoch nach Absprache mit der Heimleitung persönlich.